Prof. Dr. Eduard Hoehn
http://www.internal.eawag.ch/~hoehn |
|
Grundwasser- Oberflächenwasser - Interaktion |
| In alpinen und voralpinen Schotterebenen bestehen die hydraulischen Wechselwirkungen zwischen Flüssen und Grundwasser aus einer Abfolge von Infiltration (unterhalb eines Knickpunkts am Anfang der Schotterebene) und Exfiltration (oberhalb des Knickpunkts, am Ende der Schotterebene). Die seit dem 19. Jahrhundert infolge Hochwasserkatastrophen systematisch kanalisierten und begradigten Flüsse verloren fast alle ihre begleitenden Au-engebiete. Flussräume und ihre hyporheischen Ökotone werden heute vermehrt wieder aufgewertet, z.B. durch Aufweitungen. In Infiltrationsgebieten liegen in Flussnähe häufig leistungsstarke Trinkwasserfassungen. Bei Flussraum-Aufweitungen verringert sich zumin-dest kurzfristig die Verweildauer des Grundwassers, und der Anteil an hyporheischem Grundwasser (jungem und frischem Infiltrat) in der Fassung erhöht sich. Hochwasserereig-nisse führen zu Durchbrüchen, und lange Trockenperioden zu Kolmation der Flusssohle. In der Schweiz müssen Hochwasserschutzmaßnahmen mit Aufwertungen von Flussräumen gekoppelt werden. In den industrialisierten Gebieten sind Flüsse mit Abwässern belastet. Bei Infiltration von Flusswasser ins Grundwasser geht dies mit einer Grundwasserverunrei-nigung einher. Konflikte bestehen einerseits zwischen dem Schutz der Schotterebene vor Überschwemmungen und dem Schutz von Auengebieten im Flussraum, und andererseits der Nutzung der Flüsse als Vorfluter für Abwässer und der Nutzung von Grundwasser im Schotter für Trinkwasser. Wo wasserbauliche Maßnahmen für Revitalisierung und Hoch-wasserschutz in Entnahmebereichen von Trinkwasserfassungen mit Infiltratanteil unum-gänglich sind, müssen die Fassungen vor Verunreinigung geschützt werden. Innerhalb der 10-Tage-Linie der schweizerischen Engeren Grundwasser-Schutzzone (S2) sind Revitali-sierungen verboten. Für eine Milderung der raumwirksamen Konflikte ist eine möglichst gute Kenntnis physikalisch-chemischer und biologischer Parameter nötig, und diese Para-meter müssen in dichter räumlicher und zeitlicher Auflösung vorliegen. Untersuchungser-gebnisse aus der Schweiz werden vorgestellt, z.B. aus revitalisierten und (noch) nicht revi-talisierten Strecken in voralpinen und alpinen Schotterebenen ohne Seen im Einzugsgebiet. Infiltratanteil, Aufenthaltszeit-Verteilungen und spezifische Infiltrationsraten wurden be-stimmt, bei Versickerung durch die ungesättigter Zone und bei direktem hydraulischem Anschluss des Flusses ans Grundwasser. Grosse Unterschiede in den Werten physikalisch-chemischer und biologischer Parameter im Lauf der Zeit (Tages- und Jahreszeitschwan-kungen, Hochwasserereignisse und Niederwasserperioden) und im Raum (Nahfeld des Ufers, Fernfeld der Schotterebene, untief und in tieferen Schichten des Grundwasserleiters) machen die Schutz- und Nutzungsplanung nicht einfacher.. |
|
Ort |
| 04.06.2009 15:00 Uhr Großer Hörsaal |
© IGB |