Prof. Dr. Mario Schirmer

EAWAG, Wasserforschungsinsitut des ETH-Bereichs, Abteilung Wasserressourcen und Trinkwasser
http://www.eawag.ch/~schirmma

Flussrevitatalisierung - Auswirkungen auf Grundwasser- / Oberflächenwasserinteraktionen

Flussrenaturierung ist ein essentielles Werkzeug, um einen “guten ökologischen Status” für Wasserläufe zu erreichen, wie es durch europäische und schweizerische Gesetze gefordert wird. Obwohl in den letzten Jahren die Anzahl an Renaturierungsprojekten stark zuge-nommen hat, ist das wissenschaftliche Verständnis der zu Grunde liegenden Prinzipien, wie die hydromorphologischen Veränderungen in renaturierten Flusskorridoren auf die Ökosys-temfunktionen, die Biodiversität und die Wasserqualität wirken, immer noch limitiert. Un-ser Ziel ist es, ein mechanistisches Verständnis der gekoppelten hydrologischen und ökolo-gischen Prozesse in flussnahen Korridoren zu gewinnen. Dafür haben wir
  • einen kanalisierten und einen renaturierten Abschnitt der Thur als grossskalige Feldstandorte ausgebaut, wo wir quantifizieren, wie alle relevanten Variablen die Grundwasser-qualität, die Ökosystemfunktionen und die Biodiversität beeinflussen;

  • kontrollierte Labor- und Feldexperimente durchgeführt;

  • prozess-basierte Modelle der gekoppelten hydrologischen, biogeochemischen und ökolo-gischen Prozesse entwickelt, die es ermöglichen sollen, unsere Erkenntnisse auf andere Standorte, an denen Flussrenaturierungen durchgeführt werden, zu übertragen.

In diesem sehr interdisziplinär aufgebauten Projekt haben wir uns in Bezug auf die hydro-geologischen Fragestellungen im ersten Schritt auf die Infiltration von Flusswasser in den Grundwasserleiter konzentriert. Aus Sicht des Trinkwasserschutzes interessiert vor allem, welcher Anteil des geförderten Wassers aus dem Fluss stammt und wie lange das Flussin-filtrat im Grundwasserleiter verbleibt, bevor es gefördert wird. Hierzu können Markierver-suche durchgeführt werden, die jedoch bei größeren Flüssen mit einem erheblichen Stoff-eintrag verbunden sind. Als Alternative zu Markierversuchen können aus Zeitreihen der elektrischen Leitfähigkeit und der Temperatur quantitative Aussagen zu Mischungsverhältnissen und Aufenthaltszeiten abgeleitet werden. Dabei ist ein mehrstufiges Vorgehen bestehend aus:

  1. einer qualitativen Analyse,
  2. der spektralen Ermittlung des saisonalen Temperatur- und Leitfähigkeitsverlaufs,
  3. einer Kreuzkorrelationsanalyse und
  4. der nichtparametrischen Dekonvolution der Zeitreihen Ziel führend.

Ort

12.11.2009 15:00 Uhr

Großer Hörsaal
Müggelseedamm 310
12587 Berlin-Friedrichshagen 









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